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Ausstellung

Die Ausstellung „Sexualität und Sehnsucht – Kunst aus psychiatrischem Kontext von 1900 bis heute“ zeigt historische Arbeiten Arbeiten aus der Sammlung Morgenthaler, Bern (Schweiz), der Sammlung Prinzhorn, Heidelberg und aktuelle Outsider Art aus dem Dortmunder Projekt Art-Transmitter. Die einzigartige Ausstellung schlägt einen Bogen von den Anfängen der Outsider Art bis heute. Viele Werke sind erstmals öffentlich zu sehen.

Sexualität in der Kunst von Psychatrieerfahrenen ist bisher ein kaum behandeltes Thema. Die Ausstellung „Sexualität und Sehnsucht“ bricht mit diesem Tabu und nähert sich erstmals dem Thema an. Dabei wird das dialogische Verhältnis zwischen den Künstlern und den sich ändernden Einstellungen zur Sexualität in der Gesellschaft deutlich. Die Bilder sind nicht nur ein Spiegel der eigenen Begehrlichkeiten, sondern reflektieren daneben die Zeitläufe und ihre Ideologien. Um 1900 war Sexualität in den damaligen Anstalten stark tabuisiert. Die Abteilungen waren strickt in Frauen und Männer aufgeteilt. Geschlechtsverkehrs wurde praktisch gar nicht praktiziert. Sehnsüchte und Vorstellungen wurden daher oft unterdrückt und anders verarbeitet. Es ist auffällig, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts Werke von Frauen sehr viel mehr romantische Sehnsüchte widerspiegeln. Die Bilder zeigen den idealisierten Angebeteten, Hochzeitspaare etc., wie z.B. bei Rosa Marie Marbach.

Darstellungen von Männern sind konkreter. Hier werden Begehren und Lustobjekte klar dargestellt, wie z.B. die Darstellungen der Prostituierten bei Hans Fahrni oder die züchtige, jedoch entkleidete Hausfrau, die sich lassiv auf dem Sofa räkelt oder nackt mit dem Billardstock spielt, wie bei Oskar Büttikofer. Auch konkrete sexuelle Handlungen sind zu sehen, wie bei Leon Alphonse Kropf.

Mitte des 20. Jahrhunderts ändern sich die Darstellungen. Masturbationsdarstellungen sind Thema ebenso Bilder, die deutlich sexuelle Übergriffe thematisieren. Frauen scheinen sich ihrer Rolle bewusster zu werden und setzen sich auch künstlerisch mit „unbequemen“ Themen auseinander.

Die Ausstellung ist ein Projekt der Kulturhauptstadt RUHR.2010.

Das Projekt wurde gefördert von: